Der Carlogistics Blog

30. Oktober 2020
Kfz-Gewerbe: Aufatmen nach Corona-Beschlüssen

Seit Wochen schnellen die Covid-19-Infektionszahlen in die Höhe. Bund und Länder stemmen sich im November mit einem Teil-Lockdown gegen die zweite Welle. Nicht betroffen von den neuen Einschränkungen sind die Kfz-Betriebe.

Nach den neuen Corona-Beschlüssen der Bundeskanzlerin und der Länderchefs zeigt sich das Deutsche Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) erleichtert. „Unsere größte Befürchtung war es, dass die Autohäuser flächendeckend wieder schließen müssen“, erklärte ZDK-Vizepräsident Thomas Peckruhn am Donnerstag. Die nun festgelegten Zutrittsbeschränkungen von je einem Kunden pro zehn Quadratmeter Fläche in den Geschäftsräumen stelle für die Händlerbetriebe jedoch kein Problem dar.

Im Kampf gegen die Corona-Pandemie hatten sich Bund und Länder am Mittwoch auf eine Verschärfung der Maßnahmen verständigt. Ab 2. November 2020 wird das öffentliche Leben wieder in Teilen heruntergefahren. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte in einer Regierungserklärung mit Blick auf die stark steigenden Infektionszahlen, dass sich Deutschland in einer dramatischen Lage befinde. „Die neuen Maßnahmen sind geeignet, erforderlich und verhältnismäßig.“

Peckruhn betonte: „Da es Einigkeit zwischen der Kanzlerin und den Länderregierungen über die zu treffenden Maßnahmen gibt, gehen wir davon aus, dass sie auf Länderebene auch genauso umgesetzt werden, um die wirtschaftliche Stabilität der Autohäuser nicht weiter zu gefährden.“ In der ersten Corona-Welle mussten die Autohäuser ihre Verkaufsräume für mehrere Wochen schließen. Lediglich die Kfz-Werkstätten blieben offen.

Sicheres Arbeiten in der Wirtschaft

Wie bisher schon, müssen die Arbeitgeber ihre Mitarbeiter vor Infektionen schützen. Deshalb müsse „jedes Unternehmen in Deutschland „auch auf Grundlage einer angepassten Gefährdungsbeurteilung sowie betrieblicher Pandemieplanung ein Hygienekonzept umsetzen und angesichts der gestiegenen Infektionszahlen auch nochmals anpassen“, heißt es in dem Beschluss. Nicht unbedingt nötige Kontakte in der Belegschaft sollten vermieden werden. Wo immer umsetzbar soll Heimarbeit ermöglicht werden. (rp)

 

20. Oktober2020
Studie: Neuwagenkäufer geben mehr Geld aus

Boom bei SUV und E-Autos sowie der Trend zur Premiummodellen. Laut einer CAR-Studie ist der gemittelte Listenpreis im Vergleich zum Vorjahr um 8,1 Prozent auf 37.710 Euro gestiegen.

Im laufenden Jahr geben Autokäufer in Deutschland mehr Geld für einen durchschnittlichen Neuwagen aus. Der gemittelte Listenpreis sei im Vergleich zum Vorjahr um 8,1 Prozent auf 37.710 Euro gestiegen, heißt es in einer Studie des Center Automotive Research (CAR) in Duisburg, die am Samstag vorgestellt worden ist. Hinter den Zahlen verbergen sich die Markt-Trends zu Stadtgeländewagen (SUV), Premiummodellen sowie elektrisch angetriebenen Fahrzeugen. Alle drei Kategorien sind teurer als der Marktdurchschnitt.

„Mitten in der Corona-Krise werden deutlich höherwertige Neuwagen verkauft“, berichtet Studienleiter Ferdinand Dudenhöffer. Neben dem Wunsch vieler Konsumenten nach höherwertigen Fahrzeugen habe zudem die staatliche „Innovationsprämie“ für (teil-)elektrisch angetriebene Fahrzeuge das Geschäft stimuliert. Plug-In-Hybride und batterie-elektrische Autos haben ihren Marktanteil im Vergleich zum Vorjahreszeitraum stark auf knapp zehn Prozent gesteigert. Der staatliche Zuschuss von bis 9.000 Euro pro Elektroauto ist beim zu Grunde liegenden Listenpreis noch nicht berücksichtigt. Auch die Marktanteile für SUV und Luxusautos der Marken Audi, BMW, Mercedes-Benz und Porsche legten zu.

Das eigene Auto dürfte auch nach der Corona-Krise für viele Menschen ein bevorzugtes Verkehrsmittel bleiben, wie jüngst eine Befragung der Beratungsfirma PwC Strategy& ergab. So gaben darin etwa 31 Prozent der Befragten aus Deutschland an, nach dem Ende der Pandemie-Beschränkungen für den täglichen Weg zur Arbeit ihren privaten Pkw öfter als zuvor nutzen zu wollen. Für 45 Prozent ändert sich demnach nichts, während 24 Prozent den Wagen seltener nehmen wollen. Insgesamt wurden rund 2.600 Verbraucher in Deutschland, den USA und China befragt. (dpa)

 

 

12. Oktober 2020
Marktsegmente im September: "Anlass zu Optimismus"

Die Erholung des Automarkts nimmt weiter Fahrt auf. Im September erreichte die Zahl der Flottenzulassungen einen neuen Monatsrekord. Auch die private Nachfrage lag überdurchschnittlich hoch.

Der deutsche Pkw-Markt hat im September zum ersten Mal im Corona-Jahr 2020 ein Wachstum verzeichnet. Den Zuwachs von 8,4 Prozent auf insgesamt 265.227 Neuzulassungen erklären hauptsächlich die niedrigeren Zahlen aus dem Vorjahr (wir berichteten). Neue Abgasnormen hatten damals für Vorzieheffekte gesorgt und auch die Fahrzeugauslieferungen verzögert.

„Die Betrachtung der einzelnen Marktsegmente gibt trotzdem Anlass zu Optimismus“, erklärte Branchenexperte Benjamin Kibies von Dataforce. Im Relevanten Flottenmarkt hätten die Neuzulassungen den bisherigen September-Höchstwert von 2017 um 2,5 Prozent übertroffen. Die Zahl der neuen Firmenwagen habe bei 73.165 gelegen.

Der Privatmarkt fuhr zwar keinen neuen Rekord ein. Mit einem Zuwachs von 18,2 Prozent auf 95.514 Einheiten setzte er sich laut Dataforce aber nicht nur deutlich vom Ergebnis des Vorjahresmonats ab, sondern erreichte auch 3,9 Prozent mehr Neuzulassungen als im Mittel der vergangenen zehn Jahre.

Fahrzeugbau und -handel meldeten hingegen weniger Autos an als im letzten „normalen“ September 2017. Im Vergleich zum Vorjahresmonat gingen die Eigenzulassungen auf 19.818 Fahrzeuge (minus 0,6 Prozent) bzw. 50.578 Fahrzeuge (minus 4,4 Prozent) zurück. Kibies erklärt: „Durch die Zurückhaltung bei den taktischen Zulassungen reduziert der Handel seine Bestände an jungen Gebrauchten.“ Im Rückwärtsgang waren die Autovermieter mit 26.152 Einheiten im September. Das waren über zehn Prozent mehr als 2019.

Transportermarkt erlebt Höhenflug

In Topform präsentierte sich der Transportermarkt. 43.998 Neuzulassungen markierten Dataforce zufolge das beste September-Ergebnis für leichte Nutzfahrzeugen und Pkw-Utilities in den Aufzeichnungen des Frankfurter Branchenbeobachters. Die Steigerung zum Vorjahresmonat liegt bei satten 28,1 Prozent. Durch den Boom bei Wohnmobilen stiegen die privaten Neuzulassungen mit 55,3 Prozent auf 10.710 Fahrzeuge am stärksten. Der Zuwachs von 31,6 Prozent bei den Flottenanmeldungen (22.438) zeigt jedoch, dass das Wachstum auf einer breiten Basis steht. (rp)

06. Oktober 2020
Neuzulassungen im Plus: Automarkt müht sich aus Corona-Krise

Nach mehr oder weniger deutlichen Rückgängen bei den Neuzulassungen gab es im September erstmals wieder einen Zuwachs. Daran hat ein Sondereffekt einen großen Anteil.

Zum ersten Mal seit dem Corona-Lockdown ist der deutsche Automarkt wieder gewachsen. Im September registrierte das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) 265.227 Pkw-Neuzulassungen – ein Plus von 8,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Der Zuwachs ist vor allem darauf zurückzuführen, dass der September 2019 wegen der Einführung des RDE-Prüfverfahrens ein vergleichsweise niedriges Zulassungsniveau aufwies. Hinzu kommt, dass der September in diesem Jahr einen Arbeitstag mehr hatte.

Reinhard Zirpel, Präsident des Verbandes der Internationalen Kraftfahrzeughersteller (VDIK), erklärte, dass der Markt „das tiefe Tal des ersten Halbjahres“ zunächst hinter sich gelassen habe. Treibende Kraft seien die Privatkunden. Sie hätten sich im dritten Quartal deutlich kauffreudiger gezeigt als andere Kundengruppen. Im September stiegen die Zulassungen in diesem Marktsegment um 18,3 Prozent (Anteil: 36 Prozent). Die gewerblichen Anmeldungen legten dagegen nur um 3,5 Prozent zu (Anteil 64 Prozent).

Die Gesamtjahresbilanz fällt Corona-bedingt weiter negativ aus und liegt mit 2,04 Millionen Neuwagen nach neun Monaten um 25,5 Prozent unter dem Vorjahreswert. „Das Minus von 700.000 Neuzulassungen gegenüber den ersten neun Monaten des Vorjahres verdeutlicht die wirtschaftlichen Auswirkungen des Coronavirus“, betonte Zirpel. Dieser Verlust sei auch bis zum Jahresende nicht mehr aufzuholen.

Besonders gefragt waren im September erneut elektrifizierte Fahrzeuge. Die Zahl der neuen E-Pkw stieg um 260 Prozent auf 21.188 Einheiten, was einem Marktanteil von acht Prozent entspricht. Die Plug-in-Hybride legten um 464 Prozent auf 20.127 Einheiten zu und erreichten einen Marktanteil von 7,6 Prozent. Begehrt waren außerdem die SUV, die nach einem Plus von 9,7 Prozent einen Marktanteil von 21 Prozent erreichten. Die Geländewagen legten um 5,4 Prozent auf einen Anteil von zehn Prozent zu.

Opel im Tiefflug

Im Marken-Ranking zeigte sich im September eine große Bandbreite: Bei den deutschen Anbietern stach Audi mit einer Wachstumsrate von 42,4 Prozent heraus, dagegen mussten Opel (minus 27,6 Prozent) und Porsche (minus 19,7 Prozent) zweistellige Einbußen hinnehmen. BMW und Mercedes-Benz performten im Gleichschritt (jeweils plus 1,9 Prozent), Branchenführer VW steigerte seine Neuzulassungen um 1,6 Prozent. Bei Ford gab es ein kleines Minus von 0,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Bei den Importeuren hingen unter anderem Tesla (plus 82,7 Prozent), Seat (plus 71,1 Prozent), Subaru (plus 70,4 Prozent), Alfa Romeo (plus 59,5 Prozent) sowie Renault (plus 58,4 Prozent) kräftig am Gas. Die Nummer-eins-Auslandsmarke Skoda verbesserte sich um fast 30 Prozent – beim Marktanteil lagen die Tschechen im September mit 6,8 Prozent deutlich vor Opel (5,0 Prozent) und nur knapp hinter Ford (7,0). Weniger erfolgreich war der Zulassungsmonat hingegen für DS (minus 41,5 Prozent), Ssangyong (minus 29 Prozent) und Mazda (minus 24,7 Prozent).

Das Geschäft mit Gebrauchtwagen setzte im September den Positiv-Trend der vergangenen Monate fort. Das KBA zählte knapp über 664.000 Pkw-Besitzumschreibungen, zwölf Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Damit schrumpfte der kumulierte Rückstand zu 2019 auf 4,2 Prozent zusammen. Ingesamt wechselten im bisherigen Jahresverlauf mehr als 5,24 Millionen Autos ihre Halter. (rp/SP-X)

15. September 2020
"No Deal"-Brexit: ACEA warnt vor Milliardenkosten

Im Falle eines Brexits ohne Handelsvertrag warnt die europäische Autobranche vor Einbußen in Höhe von 110 Milliarden Euro. Dann würden für Autos sowie Liefer- und Lastwagen hohe Einfuhrzölle fällig.

Die europäische Autobranche schlägt Alarm und warnt für den Fall eines Brexits ohne Handelsvertrag vor Milliardenkosten. Neuen Berechnungen zufolge würden bei einem „No Deal“ die EU- und die britische Autobranche über die kommenden fünf Jahre insgesamt 110 Milliarden Euro Einbußen erleiden, teilte der europäische Branchenverband ACEA am Montag in Brüssel mit.

Großbritannien ist zwar schon am 31. Januar aus der EU ausgetreten. Doch gelten in einer Übergangsfrist bis zum 31. Dezember EU-Regeln im Vereinigten Königreich weiter. Der wirtschaftliche Bruch kommt erst dann. Um Zölle und hohe Kosten zu vermeiden, verhandeln beide Seiten seit Monaten über einen Handelspakt. Die Gespräche stocken aber seit langem.

Acea betonte, ohne Vertrag müssten sich vom 1. Januar 2021 an beide Seiten an die Vorgaben der Welthandelsorganisation (WTO) halten. Demnach würden für Autos zehn Prozent Einfuhrzoll fällig sowie bis zu 22 Prozent auf Liefer- und Lastwagen. „Solche Zölle – weit höher als die geringen Margen der meisten Hersteller – müssten mit ziemlicher Sicherheit an die Verbraucher weitergegeben werden, was Fahrzeuge teurer macht, die Auswahl verringert und die Nachfrage beeinträchtigt“, hieß es in der Mitteilung, die auch vom deutschen Branchenverband VDA unterzeichnet wurde.

Zahlreiche Jobs gefährdet

Ein Austritt Großbritanniens aus der EU ohne Handelsvertrag gefährde auch Zulieferer, zahlreiche Jobs gerieten in Gefahr. Der Verband forderte die Verhandlungsführer auf, alles Mögliche zu tun, um doch noch bis zum Jahresende einen Handelsvertrag zu vereinbaren.

VDA-Präsidentin Hildegard Müller warnte angesichts von mehr als 100 Produktionsstandorten der EU-Hersteller in Großbritannien vor großen Schäden durch die Einführung von Zöllen. „Dies würde eng miteinander verbundene Wertschöpfungsketten gefährden und möglicherweise unrentabel machen“, sagte sie der Mitteilung zufolge.

Die britische Autoindustrie ist stark auf den Export in die EU ausgerichtet. Im vergangenen Jahr wurden im Vereinigten Königreich rund 1,3 Millionen Passagierautos produziert. (dpa)

10. September 2020
Autobranche im Umbruch: Aus der Krise in die Zukunft?

Das „K-Wort“ taucht nicht auf im Ergebnispapier des „Autogipfels“ – eine Kaufprämie für Autos mit Verbrennungsmotor. Helfen soll nun ein Fonds. Die Lage der Autoindustrie aber bleibt angespannt. 

Deutschland ist immer noch Autoland – Politik und Wirtschaft wollen die Zukunft sichern: eine Führungsrolle beim autonomen Fahren, mehr Tempo für ein kundenfreundliches Ladenetz für E-Autos und ein besserer Datenaustausch mit anderen Verkehrsträgern. Das sind die Kernziele des „Autogipfels“ mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) sowie Vertretern aus Politik und Wirtschaft am Dienstagabend.

Der große Haken: Die Industrie steckt in einer tiefen Krise. Vor allem mittelständische Zulieferer hängen am Verbrenner. Ihnen droht, wegen der Absatzflaute in der Corona-Pandemie das Geld auszugehen – und die Kraft, in die Zukunft zu investieren. Jobs stehen auf dem Spiel. Ein Überblick:

Keine Verbrenner-Prämien

Die zuletzt erneut vor allem von der CSU geforderten staatlichen Kaufzuschüsse für moderne Benziner und Diesel gibt es nach wie vor nicht. Wer überlegt hatte, möglicherweise ein mit staatlichem Geld gefördertes Schnäppchen auf dem lahmenden Markt machen zu können, dürfte also vorerst enttäuscht sein. Viele in der Branche betonen zwar, dass auch neue Verbrenner bessere CO2-Werte haben als die Masse der Wagen, die heute auf der Straße ist. Doch die Prämien von Bund und Industrie bleiben auf Elektro- und Hybridautos beschränkt.

Fonds für Firmen in Not

Stattdessen wird nun ein anderes Instrument geprüft: Vor allem kleinere und mittelständische Zulieferer, die den Markteinbruch besonders stark zu spüren bekommen, sollen mit einem möglichen Transformationsfonds unterstützt werden. Dafür hatte sich etwa die IG Metall eingesetzt. Die Firmen sollen mit Eigenkapital gestärkt werden – um in E-Mobilität und Digitalisierung investieren zu können. Denn sonst droht, dass Unternehmen in die Insolvenz gehen und Jobs und damit Fachkräfte verloren gehen.

Bis zum November soll das Modell eines möglichen Fonds stehen. In der Autoindustrie wird betont, es solle sich um ein privatwirtschaftliches Instrument handeln, Staatsbeteiligungen solle es nicht geben. Der Staat könnte aber über Garantien Risiken absichern. Fraglich ist nur, ob diese Hilfe für Firmen, die kurz vor der Pleite stehen, noch rechtzeitig kommt.

Profitieren von der Strukturhilfe sollen auch die Autohäuser und Werkstätten. „Ich fordere die politischen Entscheidungsträger dringend auf, die Betriebe des mittelständisch geprägten Kraftfahrzeuggewerbes in den geplanten Transformationsfonds für die Automobilbranche einzubeziehen“, sagt ZDK-Präsident Jürgen Karpinski. „Ohne den Automobilhandel kommt kein Fahrzeug auf die Straße, und ohne die Kfz-Werkstätten bleiben die 57 Millionen Kraftfahrzeuge auf deutschen Straßen nicht mobil.“ Die rund 37.000 Betriebe mit 450.000 Beschäftigten stehen in normalen Zeiten für einen Umsatz von rund 186 Milliarden Euro.

Weitere Hilfen

Im Juni hatte die Bundesregierung in ihrem Konjunkturpaket auch ein zusätzliches Programm über insgesamt zwei Milliarden Euro beschlossen, um Investitionen in neue Technologien zu fördern. Geprüft werden soll nun, ob das Programm nachgebessert wird. SPD-Chef Norbert Walter-Borjans kritisierte, Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) habe bisher kein erkennbares Konzept, wie konkret das Geld eingesetzt werden soll. „Altmaier muss die Hersteller einbeziehen, vor allem auf die Zulieferer fokussiert sein und da, wo Steuergeld eingesetzt werden soll, dem Spurwechsel in die Zukunft dienen“, sagte Walter-Borjans am Mittwoch.

Auch der Verband der Automobilindustrie (VDA) fordert mehr Tempo. Auf den Pkw-Märkten gebe es nach wie vor eine große Kaufzurückhaltung, sagte VDA-Präsidentin Hildegard Müller. Offen seien etwa Fördermaßnahmen für den Hochlauf der Elektromobilität oder ein Programm für den Flottenaustausch bei Lastwagen.

In der Autoindustrie schaut man außerdem mit Sorge nach Brüssel: Die EU-Kommission könnte schon bald konkrete Pläne für schärfere Klimaziele verkünden. In der Branche wird davor gewarnt, das könnte Firmen beim schwierigen Umbruch überfordern.

Autonomes Fahren

Viele Versuche auf Testfeldern laufen seit längerem – aber dass Autofahrer sich im normalen Verkehr von autonomen Fahrzeugen chauffieren lassen können, galt bisher als Zukunftsmusik. Jetzt soll die Umsetzung deutlich beschleunigt werden, Deutschland sogar eine internationale Vorreiterrolle einnehmen. Das Ziel ist, angesichts der technischen und rechtlichen Komplexität des Themas, ehrgeizig: Schon 2022 soll ein Regelbetrieb möglich sein, auch hierzulande sollen automatisierte und autonome Wagen „erlebbar“ sein.

Die deutschen Hersteller bringen sich – nachdem sie bisher überwiegend Tesla, Google und chinesischen Firmen hinterherfuhren – allmählich in Position. VW etwa steckt in den kommenden Jahren Milliarden in entsprechende Systeme. Im Juni besiegelte der Konzern eine Partnerschaft mit dem US-Autobauer Ford. Bei dessen Tochter Argo AI, spezialisiert auf Künstliche Intelligenz, wollen sich beide Firmen die Entwicklungskosten teilen. VW-Chef Herbert Diess sieht die Vorschläge des „Autogipfels“ als Beitrag, um das Thema in Deutschland zu verankern. Bisher wird nur in den USA getestet. „Das werden wir jetzt überdenken, wenn sich die Bedingungen in Deutschland ändern.“

Internet im Auto, Daten und Vernetzung

Ein „Datenraum Mobilität“ soll aufgebaut werden, die Autoindustrie will dafür Daten zur Verfügung stellen. Zieldatum ist der Weltkongress für intelligente Verkehrssysteme im Herbst 2021 in Hamburg. Es könnte ein wichtiger Schritt sein für eine gemeinsame Mobilitätsplattform für die verschiedenen Verkehrsträger – neben dem Auto also Flugzeuge, Busse und Bahnen, Taxis oder E-Scooter. Künftig könnte es eine gemeinsame App geben, um neue und existierende Mobilitätsangebote benutzerfreundlich miteinander zu vernetzen.

Leichteres Laden von E-Autos

Die Nachfrage nach Elektrofahrzeugen in Deutschland zieht an, bedingt auch durch höhere staatliche Kaufzuschüsse. Aber nicht nur der bisher hohe Preis ließ viele Verbraucher noch zurückschrecken – sondern auch die Angst, dass nicht genügend Ladesäulen zur Verfügung stehen. Zwar gibt es Fortschritte, der Aufbau soll aber beschleunigt werden. Das Laden soll außerdem mit einer einheitlichen Bezahlmethode kundenfreundlicher werden.

(AH)

03. September 2020
Neuzulassungen: Automarkt bricht wieder ein

Die Zahl der Pkw-Neuzulassungen ist im August um 20 Prozent zurückgegangen – die Corona-Krise ist laut VDA nicht der Hauptgrund. Entgegen dem allgemeinen Trend bewegen sich die Zulassungszahlen von Elektroautos auf Rekordniveau.

Rund 20 Prozent weniger Pkw kamen im August im Vergleich zum Vorjahr auf die Straßen, wie das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) am Donnerstag mitteilte. Im Juli noch hatte sich der Automarkt erholt und nur ein Minus von 5,4 Prozent verzeichnet.

Grund für den Einbruch im August ist aus Sicht des Verbands der Automobilindustrie (VDA) vor allem, dass im September vergangenen Jahres eine Verordnung im Zusammenhang mit dem Prüfzyklus WLTP in Kraft getreten ist. Im August 2019 wurden deshalb möglichst viele Autos verkauft, die davon betroffen gewesen wären. Dieser Vorzieheffekt habe zu einem hohen Zulassungsniveau im vergangenen Jahr geführt, das in diesem Jahr nicht gehalten werden konnte. Zudem habe es in diesem August einen Arbeitstag weniger gegeben.

„Aber auch abgesehen von diesen Faktoren ist der Inlandsmarkt weiterhin schwach“, teilte der VDA mit. In den ersten acht Monaten dieses Jahres wurden demnach 1,8 Millionen Neufahrzeuge zugelassen und damit rund ein Drittel weniger als im selben Zeitraum des Vorjahres.

Gewerbliche Zulassungen stark im Minus

251.044 Pkw wurden im August 2020 neu zugelassen. Im Vergleich zum Vorjahresmonat zeigte sich ein Rückgang von 20,0 Prozent. Der Anteil der gewerblichen Zulassungen lag bei 61,9 Prozent (minus 26,3 Prozent), der der privaten Zulassungen bei 38,1 Prozent (minus 7,0 Prozent).

BMW (plus 15,2 Prozent) konnte bei den deutschen Marken einen zweistelligen Zuwachs in der Neuzulassungsstatistik verzeichnen, für Mini (plus 3,3 Prozent) wies die Statistik eine einstellige Steigerung aus. Alle weiteren deutschen Marken zeigten Rückgänge, welche bei Smart mit minus 71,1 Prozent am deutlichsten ausfielen, gefolgt von Porsche (minus 49,5 Prozent), Opel (minus 46,8 Prozent), Audi (minus 35,0 Prozent), Ford (minus 26,1 Prozent) und Mercedes (minus 3,7 Prozent). Mit einem Anteil von 17,5 Prozent war VW trotz eines Rückgangs (minus 16,9 Prozent) erneut die zulassungsstärkste Marke.

Bei den Importmarken legte Tesla (plus 453,7 Prozent) am stärksten zu, gefolgt von zweistelligen Zuwächsen bei Jeep (plus 40,3 Prozent), Nissan (plus 13,5 Prozent) und DS (plus 11,9 Prozent). Einstellige Zulassungssteigerungen erreichten Toyota (plus 8,9 Prozent), Honda (plus 1,4 Prozent) und Fiat (plus 1,0 Prozent). Deutliche Einbußen verzeichneten Jaguar (minus 69,0 Prozent), Dacia (minus 63,9 Prozent), Land Rover (minus 58,2 Prozent), Seat (minus 40,2 Prozent), Ssangyong (minus 39,0 Prozent), Suzuki (minus 34,4 Prozent) und Mazda (minus 34,1 Prozent). Skoda erreichte trotz einer Einbuße von 20,0 Prozent den größten Neuzulassungsanteil (6,2 Prozent) bei den Importmarken.

Rückgänge in fast allen Segmenten

Mit Ausnahme der Wohnmobile zeigten sich Rückgänge in allen Segmenten. Das Segment der Wohnmobile lag im August um 60,0 Prozent höher als im Vorjahresmonat und erreichte einen Anteil von 2,9 Prozent. Die SUVs waren mit 22,9 Prozent, trotz eines Rückgangs um 17,6 Prozent, das stärkste Segment, gefolgt von der Kompaktklasse, die einen Anteil von 20,5 Prozent bei einem Rückgang von 13,3 Prozent zum Vorjahresmonat auswiesen. Mit 63,7 Prozent fiel der Zulassungsrückgang bei den Mini-Vans am deutlichsten aus. Ihr Anteil betrug im August 1,4 Prozent.

47,0 Prozent der Neuwagen waren mit einem Benzinmotor ausgestattet (117.897/minus 38,8 Prozent), 27,7 Prozent waren Dieselfahrzeuge (69.416/minus 26,7 Prozent). Die alternativen Antriebsarten wiesen im Vergleich zum Vorjahresmonat teils dreistellige Zuwächse auf. Die Anzahl der Elektrofahrzeuge wuchs mit 16.076 Neufahrzeugen um 221,5 Prozent, ihr Anteil an den Neuzulassungen lag damit bei 6,4 Prozent. 46.188 Hybride wiesen einen Zuwachs von 132,7 Prozent mit einem Anteil von 18,4 Prozent aus, darunter 17.095 Plug-in-Hybride (plus 447,9 Prozent) und einem Anteil von 6,8 Prozent. Mit Flüssiggasantrieb waren 774 Pkw (minus 20,7 Prozent/0,3 Prozent) und 659 Pkw mit Erdgasantrieb (minus 7,2 Prozent/0,3 Prozent) ausgestattet.

Das Geschäft mit Gebrauchtwagen entwickelte sich im August mit einem Zuwachs von 3,9 Prozent (knapp 630.000 Pkw) gegenüber dem Vorjahresmonat weiter positiv. Mehr als 4,57 Millionen Besitzumschreibungen im bisherigen Jahresverlauf stellen jedoch nach wie vor einen Rückstand von minus 6,2 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum dar.

Insgesamt wurden im August 308.254 Kraftfahrzeuge (minus 16,7 Prozent) und 26.632 Kfz-Anhänger (plus 8,3 Prozent) neu zugelassen. 731.697 Kfz und damit 4,5 Prozent mehr als im Vorjahresmonat wechselten im August 2020 den Halter. Das Zulassungsplus bei den Besitzumschreibungen verteilte sich mit Ausnahme der Sattelzugmaschinen (1.133/minus 13,0 Prozent) und der Kraftomnibusse (630/minus 8,6 Prozent) auf alle Fahrzeugklassen. (ah/dpa)

31. August 2020
Autozulieferer: Umsatz könnte 2020 spürbar absacken

Bei vielen Autoherstellern schlug der Corona-Einbruch im ersten Halbjahr heftig ins Kontor. Von ihnen abhängige Zulieferer sind aber mindestens ebenso sehr gefährdet. Wie stark geht es jetzt abwärts?

Den für die deutsche Autoindustrie wichtigen Zulieferern drohen einer Studie zufolge in diesem Jahr erhebliche Einbußen. Die Beratungsfirma PwC Strategy& geht von einem globalen Umsatzrückgang großer Branchenunternehmen um 13 bis 24 Prozent aus – je nach weiterer Entwicklung der Corona-Pandemie. Schon Anfang 2020 waren die Startbedingungen nach einem für viele Betriebe schwierigen Jahr 2019 nicht einfach. Nun gerieten auch deutsche Zulieferer unter stärkeren Kostendruck: „Die aktuelle Krise wirkt wie ein Brennglas.“

Nach Einschätzung der Branchenbeobachter werden etliche Firmen nicht umhin kommen, einen harten Sparkurs zu fahren. „Nachdem die deutsche Zuliefererindustrie über mehrere Jahre ein kontinuierliches Wachstum gezeigt hat, wird nun deutlich, wie viele Unternehmen tatsächlich Restrukturierungsbedarf haben“, erklärte der Autor der Analyse, Henning Rennert. Unter anderem bei Continental, aber auch bei zahlreichen Wettbewerbern wird gekürzt. Conti-Chef Elmar Degenhart hatte im Juni von der größten Automarktkrise seit den 1930er Jahren gesprochen und eine mögliche Reihe von Insolvenzen befürchtet.

Die Berater werteten die Lage von 83 großen Zulieferern verschiedener Länder aus. Bei den deutschen Vertretern gingen die Umsätze im vorigen Jahr verglichen mit 2018 demnach schon um zwei auf insgesamt 223 Milliarden Euro zurück, wenngleich sich ihr Anteil am Weltmarkt geringfügig um einen Prozentpunkt auf zuletzt 25 Prozent erhöhte.

Viele Betriebe rechnen mit roten Zahlen  

Nicht nur das reine Geschäftsvolumen, auch die Wirtschaftlichkeit nahm 2019 ab. Von 100 Euro Umsatz blieben bei den betrachteten deutschen Unternehmen im Schnitt gerade einmal 2,60 Euro an Gewinn übrig – im Jahr zuvor waren es immerhin noch 6,30 Euro gewesen. In anderen Regionen konnte die Branche ein höheres Ertragsniveau halten. 2020 rechnen etliche Betriebe infolge von Corona mit roten Zahlen.

Gemessen am Umsatz verteidigte Bosch 2019 seine Position als größter deutscher Autozulieferer mit 77,7 Milliarden Euro – vor Continental mit 44,5 und ZF mit 36,5 Milliarden Euro. Auf den weiteren Rängen folgten Schaeffler (14,4 Milliarden), Mahle (12,1 Milliarden) und Hella (6,6 Milliarden).

Conti sowie der Kabel- und Bordnetzhersteller Leoni hatten bereits 2019 Verluste geschrieben, allerdings auch wegen Umbaukosten und Sonderfaktoren. Der Branchenverband VDA erklärte, sechs von zehn Zulieferern erwögen eine verstärkten Personalabbau.

Der niedersächsische Ministerpräsident und VW-Aufseher Stephan Weil (SPD) warnte jüngst, dass die Corona-Folgen vor allem kleineren Lieferanten zusetzen dürften, die durch den Wandel zu E-Antrieben und Digitalisierung ohnehin unter Druck seien: „Ich befürchte, dass wir uns bis zum Herbst auf viele schlechte Nachrichten einstellen müssen, dieses Thema wird uns noch massiv beschäftigen.“ (dpa)

26. August 2020
Corona-Folgen: Pkw-Bestand wächst nur um 0,5 Prozent

2020 wird es wesentlich weniger Erst- und Zusatzkäufer als in den Vorjahren geben. Das Durchschnittsalter des Pkw-Bestandes wird dadurch steigen.

Der Pkw-Bestand in Deutschland ist in den vergangenen Jahren um durchschnittlich 1,1 Prozent gestiegen. Damit lag das Wachstum immer über 600.000 Pkw pro Jahr.

Pkw Bestand zum 31.12. des Jahres

Abb. 1: Pkw-Bestand zum 31.12. des Jahres

In diesem Jahr wird aufgrund der Corona-Krise und der damit verbundenen tiefen wirtschaftlichen Rezession mit hoher Kurzarbeiter- bzw. Arbeitslosenzahl und rückläufiger Einkommensentwicklung der Bestand nur moderat um 224.000 Pkw auf 47,94 Millionen Pkw steigen. Damit gibt es in diesem Jahr wesentlich weniger Erst- und Zusatzkäufer als in den Vorjahren (siehe Abb. 1)

Die Corona Krise führt auch zu einer Verlangsamung der Erneuerungsprozesse des Pkw-Bestandes, d. h. die Fahrzeuge werden nicht so schnell ersetzt wie in den Vorjahren. Dies hat einen deutlichen Anstieg des Durchschnittsalters des Pkw-Bestandes (Abb. 2) zur Folge. Das Durchschnittsalter steigt in diesem Jahr von 9,5 Jahren in 2019 auf 9,8 Jahre.

Durchschnittsalter Pkw Bestand

Abb. 2: Durchschnittsalter Pkw-Bestand

Das in diesem Jahr sehr niedrige Neuzulassungsniveau (2,85 Millionen Pkw) und die Verlangsamung der Erneuerungsprozesse wird in diesem Jahr die Altersstruktur des Pkw-Bestandes wesentlich verändern.

Der Pkw Bestand in der Altersklasse bis zwei Jahre wird stark schrumpfen, während die Altersklassen ab fünf Jahren deutlich wachsen. (Tab. 1)

Pkw Bestand nach Altersklassen

Tab. 1: Pkw-Bestand nach Altersklassen

Der nur moderat steigende Pkw-Bestand führt bei leicht steigender Bevölkerung zu einer Abflachung des Wachstums der Pkw-Dichte (Pkw pro 1.000 Einwohner). Die Pkw-Dichte wird in diesem Jahr nur um 0,3 Prozent auf 575 Pkw pro 1.000 Einwohner steigen. In den letzten Jahren stieg sie um durchschnittlich 1,1 Prozent pro Jahr (siehe Abb. 3).

Pkw Dichte zum 31. 12. des Jahres

Abb. 3: Pkw-Dichte zum 31. 12. des Jahres

Statistisch gesehen hat jede zweite Person in Deutschland mehr als einen Pkw. Damit hat Deutschland eine der höchsten Pkw-Dichten der Welt und stößt allmählich an die Sättigungsgrenze der Motorisierung (siehe Tab. 2).

Pkw-Motorisierung in Deutschland

Tab. 2: Pkw-Motorisierung in Deutschland

Ausblick: Die Pkw-Dichte wird noch bis 2024 auf 581 Pkw pro 1.000 Einwohner steigen und danach rückläufig sein. 2030 werden 566 Pkw auf 1.000 Einwohner kommen. Der Pkw-Bestand wird bis 2030 um 870.000 Pkw auf 47,1 Millionen Pkw gegenüber 2020 sinken.

Es gibt verschiedene Gründe, die zu dieser rückläufigen Entwicklung führen:

  • Das Pro-Kopf-Einkommen wird sinken
  • Die erwerbsfähige Bevölkerung wird deutlich schrumpfen
  • Die Anzahl der Drei- und Mehr-Personen-Haushalte wird rückläufig sein
  • Das Mobilitätsverhalten der Bevölkerung ändert sich
  • Neue digitale, vernetzte Mobilitätsangebote werden zunehmend genutzt
  • Verkehrs- und umweltpolitische Maßnahmen verteuern die Nutzung des Pkw in der Stadt bzw. schränken ihn ein

Damit gerät langfristig das Werkstattgeschäft unter Druck, da immer weniger Fahrzeuge für Wartung und Reparatur vorhanden sind. Hinzu kommt der deutlich höhere Anteil von Elektrofahrzeugen am Pkw-Bestand, deren Wartungsintensität und Reparaturanfälligkeit deutlich niedriger ist als bei Verbrennerfahrzeugen.

Quelle: Autohaus

24. August 2020
Corona-Krise: Verbände verärgert über schleppende Kfz-Zulassung

Deutschlandweit hapert es in der Corona-Krise in puncto Kfz-Zulassung. 

VDA, VDIK und der ZDK haben am Montag gemeinsam an die Politik appelliert, Abhilfe zu schaffen.

Schleppende Kfz-Zulassungen sind in der Corona-Krise zu einem ernsten wirtschaftlichen Problem der deutschen Autobranche geworden. In einem gemeinsamen Appell haben die Verbände der Hersteller und des Kfz-Gewerbes –  VDA, VDIK und der ZDK – am Montag die Länder und Kommunen aufgefordert, die oft mehrere Wochen langen Bearbeitungszeiten schnell wieder zu verkürzen. Auch müsse das digitale Zulassungssystem „i-Kfz“ rasch und umfassend eingeführt werden.

Nach Darstellung der Verbände sind die rechtlichen Voraussetzungen für das Digitalverfahren im Oktober 2019 geschaffen worden. Es soll Erstzulassungen und Umschreibungen von Fahrzeugen ohne Vorortbesuche ermöglichen. In der Praxis seien die entsprechenden Online-Portale der Zulassungsstellen in vielen Fällen aber noch nicht vorhanden oder für Kunden nicht auffindbar, arbeiteten fehlerhaft oder ein vollständiger Zulassungsprozess sei nicht möglich, so die Kritik.

Das Bundesverkehrsministerium appellierte an die Länder, es sei eine hinreichende personelle Ausstattung der Zulassungsbehörden notwendig, die der „gegenwärtigen konjunkturellen Bedeutung gerecht“ werde. Außerdem sei auf das Potenzial der internetbasierten Zulassung „bei konsequenter örtlicher Umsetzung“ hingewiesen worden, erklärte das Ministerium.

VDIK-Präsident Reinhard Zirpel erklärt: „In dieser ohnehin extrem schwierigen wirtschaftlichen Lage darf die Situation bei den Behörden nicht zusätzlich zum konjunkturhemmenden Faktor werden.“ Länder und Kommunen müssten jetzt dafür sorgen, dass die Zulassungsstellen bundesweit so schnell wie möglich wieder effizient arbeiten können. „Denn lange Wartezeiten bremsen die Kaufbereitschaft und verhindern damit, dass sich die Automobilbranche schnell und nachhaltig erholen kann.“

Als Dienstleister der Bürger sehen

„Es ist nicht nachvollziehbar, dass Zulassungsbehörden in dieser Situation und im Zeitalter der Digitalisierung nicht in der Lage sind, digitale An- und Ummeldeverfahren rasch umzusetzen“, sagt ZDK-Präsident Jürgen Karpinski. „Unsere Händler können den Kunden nicht erklären, weshalb sie etliche Wochen warten sollen, bis sie ihr fahrbereites Fahrzeug endlich nutzen können.“ Die Behörden sollten sich laut Karpinski als Dienstleister der Bürger sehen und dafür sorgen, dass die Bearbeitungszeiten rasch wieder kürzer werden. „Außerdem sollten sie sich um eine umfassende Implementierung des ‚i-Kfz‘-Verfahrens kümmern“, fordert der ZDK-Präsident.

Die tausende Fahrzeuge, die derzeit bei den Händlern stünden und nicht zugelassen würden, bindeten Kapital, das der Kfz-Handel in der aktuellen Situation dringend für das wirtschaftliche Überleben benötige. Hinzu kämen vor allem in Großstädten hohe Standkosten. Der dadurch auf der Branche lastende Druck erhöhe das Risiko von Insolvenzen im Automobilhandel und stelle eine Nachfragebremse da. (dpa, ah)